„Clubhouse“ und Journalismus – geht das zusammen?

Weniger als zwei Wochen nach dem Deutschland-Start von „Clubhouse“ ist die Bekanntheit der Audio-Only-App beachtlich. Laut einer aktuellen Umfrage erklärten 24 Prozent der 18-59-Jährigen, Clubhouse zu kennen. Ein Drittel der Befragten plant, diese auch zu nutzen.

Bei „Clubhouse“ können sich Nutzer in sogenannten Räumen via Mobiltelefon zusammenschalten und über ein Oberthema sprechen. Die Teilnehmerzahl an den Audio-Gesprächen ist reglementiert. Der Beitritt in „Clubhouse“ erfolgt über eine exklusive Einladung der Nutzer und ist nur im App Store von Apple verfügbar.

Für Wirbel sorgte die App am vergangenen Wochenende, als Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow in einer „Clubhouse-Runde“ erklärte, dass er bei den virtuellen Sitzungen über die Corona-Pandemie mit der Kanzlerin und den anderen Ministerpräsidenten gelegentlich das Spiel „Candy Crush“ spiele. Im selben Gespräch bezeichnete Ramelow die Kanzlerin als „Merkelchen“, wofür er sich später entschuldigte.

Der Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, Johannes Boie, machte Ramelows kontroverse „Clubhouse-Aussagen“ öffentlich, entgegen der Bedingungen der App, nicht über Inhalte auf „Clubhouse“ zu informieren ohne Einwilligung der Teilnehmer. Boie geriet deshalb selbst in die Kritik, die vertrauliche Atmosphäre auf „Clubhouse“ zu zerstören.

Medienjournalist Christian Meier pflichtete seinem Welt-Kollegen bei und schreibt:

„Das öffentliche Interesse von Aussagen großer Relevanz – und damit die Pressefreiheit – wiegt schwerer als AGB-Bestimmungen von Unternehmen. Würden sich Journalisten im Umgang mit Informationen an Beschränkungen halten, die eine Firma aufgestellt, beschnitten sie sich selbst in ihrer demokratischen Funktion, Transparenz herzustellen. Dazu kommt, dass Clubhouse alles andere als ein Geheimzirkel ist. Tatsächlich ist das Mithören einer möglichst großen Zahl von Menschen sogar erwünscht – und die Reichweite der App wird als Grundlage für deren Geschäftsmodell wichtig sein. Die Zugangsbeschränkungen von Clubhouse sind entsprechend vor allem künstlicher Natur – sie sollen Neugier wecken, Begehrlichkeiten, den Wunsch, dabei zu sein. Diese Mechanismen müssten ranghohen Prominenten wie auch Politikern bekannt und vertraut sein.“